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#Bahncheck – das war wohl nichts, liebe ARD

Die ARD brachte gestern eine 45-minütige Sendung über die Bahn, die Pünktlichkeit, Preise, Sauberkeit. Wer sachlichen Journalismus erwartete wurde allerdings enttäuscht. Bahnbashing ist ja so in Mode, da macht auch mal das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit um gute Einschaltquoten zu erreichen.

Zuerst wollte man, daß ein paar Leute die sonst selten Bahn fahren binnen fünf Minuten am Automaten die günstigste Fahrkarte lösen. Schaffte nur einer. Nebenbei wurde sich aufgeregt, daß es doch für diese Strecke drei unterschiedliche Fahrpreise geben würde. Daß mindestens einer davon nicht von der Bahn sondern dem örtlichen Verkehrsverbund ist, wurde aber verschwiegen. Die anderen beiden dürften vermutlich mit und ohne Nutzung Fernverkehrszüge sein.

Dann ging es um den Kauf einer Fernverkehrsfahrkarte für 2 Personen H+R von Wuppertal nach Bayreuth. Das Internet wie auch die Reisezentren verlangten 338 €, bei einer privaten Agentur waren es nur 258 €, weil der die Fahrkarte stückelte. Okay, kleiner Trick kann man gelten lassen.

Allerdings wäre es selbst hier noch günstiger gegangen, was aber selbst der „Experte“ in der privaten Reiseagentur verschwieg:

Entweder der Erwerb einer Probebahncard 25 und somit nochmal 25 % Ermäßigung auf den Preis von 258 € (ja, das hätte sich gerechnet!) oder

Prüfung ob Buchung via Ltur oder Busliniensuche etwaige Sondersparpreise zu 27 bzw. 29 € ausgeworfen hätte. Vermutlich wäre dann aber das Bahnbashing zusammengebrochen, wenn sich da was gefunden hätte.

Was auch verschwiegen wurde: wie lange im voraus die Fahrkarte hätte gekauft werden sollen. Je länger im voraus, desto günstiger sind die regulären Sparpreise. Bei langfristiger Buchung sind dann so Schnäppchen wie Magdeburg – München 1. Klasse für 29,25 € (nach BC25-Rabatt) drin.

Sich über schmutzige Toiletten beschweren kann man, aber das sollte man dann nicht bei der Bahn tun sondern bei denen, die die Toiletten und Wagen verschmutzen. Bei der Bahn werden die Züge in der Regel nachts gereinigt und gehen dann morgen sauber in den Plandienst. Nur kann die Bahn doch wohl nicht auch noch alle Stunde einen Reinigungstrupp durch den fahrenden Zug schicken.

Dann kam der Hammer für meine Begriffe. Jemand verpasste seinen Anschluß um zehn Minuten und hatte dadurch ne Stunde Wartezeit. Die ARD meinte daher, die Pünktlichkeitszahlen der Bahn würden nicht stimmen, weil der Fahrgast nicht nur zehn Minuten sondern über eine Stunde zu spät am Ziel angekommen sein. Daß aber tatsächlich nur ein Zug zehn Minuten Verspätung hatte und alle anderen pünktlich fuhren, vergißt man dabei mal schnell. Die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn bezieht sich auf die Pünktlichkeit der Züge und nicht auf die Pünktlichkeit der darin sitzenden Reisenden. Dazwischen gibt es nun mal Unterschiede.

Fazit: viel heiße Luft und wenig Sachlichkeit. Aber mit sachlicher Recherche wäre wohl weniger Dramatik möglich gewesen und man hätte vielleicht festgestellt, daß doch nicht immer die Bahn an allem Schuld ist oder sie vielleicht gar nicht so teuer, unpünktlich, schmutzig was auch immer ist. Wäre ja schlimm gewesen.

So,und jetzt freue ich mich auf drei Fernverkehrsbahnfahrten in der kommenden Woche: 2 x für 29,25 € in der 1. Klasse und 1 x als Freifahrt in der 2. Klasse. Und da sage nochmal jemand die Bahn wäre teuer.

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