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EC 104 „Sobieski“ – Umsteigefrei von Wien nach Gdynia an die Ostsee

EC 104

EC 104

Einmal täglich haben die Österreicher die Möglichkeit umsteigefrei von Wien aus die polnische Ostsee mit der Bahn zu erreichen. EC 104 „Sobiesky“ fährt in etwas mehr als 10,5 h von Wien Hauptbahnhof aus über Tschechien nach Gdynia Glowna.

Der Zug verfügt über Wagen der 1. und 2. Wagenklasse sowie über einen Speisewagen. 1. Klasse-Abteilwagen und Speisewagen laufen an der Zugspitze. Am Ende des Zuges laufen zwei 2. Klasse-Wagen der ÖBB als Kurswagen des EC 204 nach Kraków bis Bohumin mit und werden dort abgehängt.

In Bohumin, kurz vor der tschechisch-polnischen Grenze findet ein Lokwechsel auf eine polnische Ellok statt. Bis dahin hat eine tschechische Lok der Reihe 380 den Zug befördert. Ab Bohumin übernimmt eine PKP-Ellok der Reihe EP09 diese Aufgabe. Gleichzeitig wird an der Zugspitze ein zusätzlicher 2. Klasse-Wagen angehängt.

Bis auf die beiden Kurswagen nach Kraków erfolgt die Gestellung des Wagenmaterials ansonsten komplett mit PKP IC-Material.

Bei fast 11 h Fahrzeit ist natürlich wichtig, daß man auch kulinarisch versorgt ist. Für Reisende der 1. Klasse sind ein Getränk (Kaffee, Tee oder Flasche Wasser) und ein 7Days Croissant eh mit dabei. Doch viel wichtiger ist der Speisewagen, der von WARS betrieben wird. Hier gibt es während der kompletten Fahrt ein sehr umfangreiches Angebot an Speisen und Getränken.

Und da ist der wichtigste Aspekt dieser Reise: der Speisewagen und sein Angebot. Die Speisewagen im internationalen Verkehr verfügen über eine sehr umfangreiche Karte. Dazu kommt, daß hier das meiste noch frisch zubereitet wird. Da hört man, wenn der Koch die Spiegeleier und Würstchen in der Pfanne brät. Zum Frühstück ist das WARS-Frühstück zu empfehlen, bestehend aus Spiegeleiern, gebratenem Speck und gebratenen Würstchen, dazu Brot und Butter. Zusammen mit einem Kaffee ist das ein optimaler Start in den Tag, während draußen die Landschaft an einem vorbeirauscht. Kann eine lange Bahnfahrt besser beginnen?

Danach kann man sich wieder dem Blick aus dem Fenster widmen, sieht Berge, Felder, größere und kleinere Orte vorbei ziehen.

Irgendwann kommt dann Bohumin, wo der erwähnte Lokwechsel stattfindet. Auf dem folgenden Streckenabschnitt, speziell nach Grenzübertritt in Richtung Polen, geht es dann etwas langsamer daher. Schlechter Streckenzustand zum einen und Bauarbeiten zum anderen sind dafür der Grund.

Das oberschlesische Industrierevier mit seiner wichtigsten Stadt Katowice wird durchquert.

Mittags sollte dann wieder ein Besuch im Speisewagen anstehen. Der Salat mit Entenbrust ist wirklich zu empfehlen, doch auch die anderen Speisen auf der Karte sind nicht zu verachten. Der Cider war eine gute Wahl zu dem Salat. So wird fahren zum reisen.

Am Nachmittag wird die polnische Hauptstadt Warszawa erreicht, wo der Zug gleich mehrmals zum Fahrgastwechsel hält. Ortsnamen wie Ilawa tauchen auf, Ermland-Masuren ist erreicht. Dann folgt Malbork, wo sich bei der Abfahrt ein Blick in Fahrtrichtung links lohnt. Dort taucht dann die Marienburg auf, die einstige Ordensburg des Deutschen Ordens und heute der größte Backsteinbau Europas. Danach geht es über die große Weichselbrücke bei Tczew und dann ist es auch nicht mehr weit: Gdansk, Sopot und dann Gdynia.

Die Fahrt ist recht angenehm, der Zug wohl auch recht gut genutzt. Auch im Speisewagen ist es selten sehr leer. Wobei man da morgens kurz hinter Wien durchaus Glück haben kann.

Wer die gesamte Strecke fahren möchte, sollte die Fahrkarte gestückelt kaufen. Wien – Breclav und Breclav – Gdynia, beides bei der CD gekauft, spart in der 1. Klasse ca. 12 €. Kauft man die Fahrkarte im Ganzen, ist das nur bei der ÖBB möglich.

Der Gegenzug heißt übrigens EC 105.

Mit der Bahn quer durch Europa zu fahren kann so schön sein. Der EC 104 und sein Gegenzug der EC 105 sind ein Beispiel dafür. Reinsetzen, mitfahren und genießen!

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